Referentenentwurf gefährdet DMP und damit eines der größten Erfolgsmodelle für grenzübergreifende Zusammenarbeit

Versichertenentlastungsgesetz Jens Spahn
Versichertenentlastungsgesetz
19. Mai 2018
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Referentenentwurf gefährdet DMP und damit eines der größten Erfolgsmodelle für grenzübergreifende Zusammenarbeit

Disease-Management-Programme (DMP) sind strukturierte Behandlungsprogramme, die chronisch Erkrankten dabei helfen sollen ihre Erkrankung in den Griff zu bekommen, die Lebensqualität zu verbessern und zu erhalten. 2002 wurden DMP von den gesetzlichen Krankenkassen mit dem Ziel eingeführt, die ärztliche Behandlung langfristig zu verbessern. 

Derzeit gibt es DMP für folgende chronische Erkrankungen:

  • Asthma
  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
  • Brustkrebs
  • Diabetes mellitus Typ 1
  • Diabetes mellitus Typ 2
  • Koronare Herzkrankheit (KHK), mit einem Modul „Chronische Herzinsuffizienz“
  • Ein DMP für chronischen Rückenschmerz wird aktuell erarbeitet.

Ziel eines DMP ist es, die Beschwerden, die mit einer chronischen Erkrankung verbunden sind, zu verringern und ihr Fortschreiten aufzuhalten. Komplikationen und Folgeschäden oder Begleiterkrankungen sollen so weit wie möglich verhindert werden. Gleichzeitig sollen die Erkrankten beim Umgang mit der Erkrankung unterstützt und Möglichkeiten aufgezeigt bekommen, im Alltag mit den Erfordernissen der Behandlung zurechtzukommen. 

Dabei steht auch die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Fachleuten und Einrichtungen, etwa zwischen Allgemein- und Fachärzten, Kliniken und Reha-Einrichtungen im Fokus. Dies soll gewährleisten, dass die einzelnen Behandlungsschritte gut aufeinander abgestimmt sind und zum Beispiel unnötige Doppeluntersuchungen vermieden werden.

Patientinnen und Patienten, die sich für ein DMP einschreiben, erklären sich dazu bereit, aktiv an der Behandlung mitzuarbeiten – zum Beispiel indem sie regelmäßig alle drei oder sechs Monate eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Alle teilnehmenden Fachleute – also Ärzte, Mitarbeiter von Kliniken und Reha-Einrichtungen, Pflegekräfte oder Anbieter von Schulungen – verpflichten sich, die vorgegebenen Qualitätskriterien und Behandlungspläne einzuhalten. Gleichzeitig werden die Vorgaben für DMP regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht werden. Der G-BA beauftragt regelmäßig das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), die verschiedenen DMP zu überprüfen und auf den neusten Stand der medizinischen Kenntnis zu bringen.

Seit Einführung der DMP vor mehr als 15 Jahren nehmen aktuell fast sieben Millionen Patienten daran teil. Bundesweit sind derzeit knapp 10.000 Programme zugelassen.

Patienten profitieren in hohem Maße

„Die bundesweiten Auswertungen der DMP-Programme der KBV zeigen, dass vor allem die Qualitätsziele hinsichtlich einer leitliniengerechten Medikation erreicht werden. Darüber hinaus konnten bei allen DMP-Indikationen notfallmäßige stationäre Behandlungen weitgehend verhindert werden. Gute Ergebnisse liegen ebenfalls bei der Blutdruckeinstellung bei Hypertonikern und bei der Stoffwechseleinstellung von Diabetikern vor. Regelmäßige Fußuntersuchungen und augenärztliche Kontrollen sind mit den DMP zum Standard bei der Diabetesbehandlung geworden.

Insgesamt profitieren chronisch Kranke von den DMP in hohem Maße. Das ergaben auch Studien, die DMP- Patienten mit Nicht-DMP-Patienten verglichen haben. Gravierende Komplikationen wie Amputationen und Erblinden infolge eines Diabetes treten bedeutend seltener auf als bei Nicht-DMP-Patienten.“

Trotz dieser Erfolge ist im Referentenentwurf zum „Gesetz für eine faire Kassenwahl in der gesetzlichen Krankenversicherung“ die ersatzlose Streichung der Programmkostenpauschale für DMP-Programme vorgesehen. Mit der Regelung werde riskiert, diese innovative Form der Versorgung wieder ersatzlos zu beenden, kritisiert die KBV.

Die Pauschale fließe für jeden in ein Disease-Management-Programm (DMP) eingeschriebenen Patienten aus dem Gesundheitsfonds an die Krankenkasse. Fällt sie weg, gibt es aus Sicht der KBV keinen Anreiz für Krankenkassen mehr, solche Programme anzubieten.